Kommentare einer "Volksjenossin"
1990

178 Seiten, engl. Br.
D: € 13,00, A: € 13,40, SFR 24
ISBN 3-924652-16-3

Bruno Adler
Frau Wernicke


Herausgegeben und mit einem Nachwort von Uwe Naumann

"Frau Wernicke" entstand im Deutschen Dienst der BBC als satirische Serie, die 1940 bis 1944 ausgestrahlt wurde. Bruno Adler hatte diese Figur der resoluten Berlinerin geschaffen, die über den Kriegsalltag in Nazideutschland räsonnierte, wobei ihre Tiraden nicht selten in die Aufforderung zu Sabotage und Desertion mündeten. Die bekannte Berliner Kabarettistin Annemarie Hase, die, wie der Autor, ins Exil nach England geflohen war, lieh ihr die Stimme. Wer in den Kriegsjahren "Feindsender" abhörte, begab sich in Gefahr, denn "Rundfunkverbrecher" wurden verfolgt. Trotzdem hatten die deutschsprachigen Sendungen der BBC gegen Kriegsende schätzungsweise zehn Millionen Hörer.

Buchentstehung

Anlässlich einer Tagung der Gesellschaft für Exilforschung schlug mir Uwe Naumann vor, eine Auswahl der für die BBC verfassten Satiren von Bruno Adler zu verlegen. Er übernahm die Edition. Es ist das einzige Buch des persona verlags, das je im SPIEGEL besprochen wurde.


Zum Autor

Bruno Adler wurde 1888 in Karlsbad geboren. 1920-1930 lehrte er Kunstgeschichte an der Staatlichen Kunstakademie in Weimar. 1933 Emigration nach Prag, 1936 nach London. Dort arbeitete er während des Krieges für den Deutschen Dienst der BBC. Bruno Adler schrieb - teils unter dem Pseudonym Urban Roedl - vielbeachtete Studien über Matthias Claudius und Adalbert Stifter. Er starb 1968 in London.

Pressestimmen

"Es spricht für die Qualität der für den Tag geschriebenen Texte, daß sie sich heute, nach über 50 Jahren noch, ganz frisch lesen ... Es macht Vergnügen, die Wochenkommentare der Frau Wernicke zu lesen - und zwar am besten laut - und wenn sich die Hörer damals nicht einen Ast gelacht haben, weil die Zeiten nicht danach waren, wir können es heute, uns droht kein Volksgerichtshofsprozeß." (Til Radevagen, Zitty)

"Zeitgeschichtlich bedeutsamer Auswahlband." (Der SPIEGEL)

Textprobe

"Jahrelang haben wa nischt wie jesiegt, und nu uff eenmal erzählt uns der Quasselkopp, de Jefahr is riesenjroß und et is de ernsteste Stunde...Keen Wort jloob ick dem - der hat viel zu oft schon jelojen. Is doch allet Quatsch! "Deutschland darf den Krieg nicht verlieren!" schreit er. Det Unanjenehme is bloß, det ooch Rußland und de andern den Kriech nich verlieren dürfen. Aber eener wird ihn schließlich jewinnen. Und wer wird det sein? Der wo der Stärkere is. Der wo die meisten Menschen und Munition und de meiste Zeit und det meiste Jeld hat. Und'n Führer ohne Einjebungen. Und weil uns dazu ne janze Menge fehlt, wer soll da helfen? Wir, de deutschen Frauen! Fein hat er det jemacht, der Joebbels, direkt jeworben hat er um uns. Is doch jut, wenn eener Praxis hat, jelernt is jelernt. Anjelächelt hat er uns, der kleene Schäker, wie wenn wa alle lauter Filmstars wärn. Und allet bloß, damit wa sechzehn Stunden am Tag Männerarbeit tun - denn sonst hätten unsre Männer ja keene Zeit, an die Front zu jehn, und müßten sich die schönste Jelejenheit entjehn lassen, den echten Hitlertod zu sterben."