Essay
Jun. 2019

112 Seiten, Paperback
€ 10,00
ISBN 978-3-924652-44-9

erscheint im Juni 2019

Hazel Rosenstrauch
Simon Veit. Der missachtete Mann einer berühmten Frau


Moses Mendelssohn hat seine kluge Tochter Brendel mit dem Bankier Simon Veit vermählt. Der Weltweise schätzte den Bräutigam, die Tochter nicht. Brendel, berühmt als Dorothea Schlegel, Salonière und Muse der Romantik, verließ ihren ersten Mann und Vater ihrer Söhne nach sechzehn Jahren Ehe. Wer war dieser von ihr und ihren Freunden (Henriette Herz, Wilhelm von Humboldt u.a.) geschmähte Mann? Hazel Rosenstrauch rekonstruiert das Milieu der jüdischen Aufklärung in Berlin und entdeckt einen toleranten, großzügigen Kaufmann, der die radikalen Veränderungen samt Taufepidemie unter den Juden würdevoll überstanden hat, ohne zu konvertieren. Veit wurde für die sehr katholische Dorothea zum guten, treuen Freund, der sie und ihren zweiten Mann, wie auch seine ebenfalls konvertierten Söhne, die Nazarener-Maler Johannes und Philipp Veit, immer unterstützt hat.

Buchentstehung
Simon Veit ist das vierte Buch, das Hazel Rosenstrauch im persona verlag veröffentlicht. Es hat sich so ergeben - aufgrund unserer langjährigen Freundschaft. Es ist eine große Freude und eine Ehre für den Verlag


Zur Autorin

Ausführliche Informationen zur Autorin finden Sie auf ihrer persönlichen Webseite: Hazel Rosenstrauch

Im persona verlag sind auch erschienen:

Weitere Buchveröffentlichungen: Aus Nachbarn wurden Juden. Ausgrenzung und Selbstbehauptung 1933-1942 Berlin 1988 (vergriffen). Varnhagen und die Kunst des geselligen Lebens. Eine Jugend um 1800, Verlag Das Arsenal 2003. Wahlverwandt und ebenbürtig. Caroline und Wilhelm von Humboldt, Die Andere Bibliothek im Eichborn Verlag 2009. Karl Huss, der empfindsame Henker, Matthes & Seitz.

Pressestimmen

"Die Berliner Kulturwissenschaftlerin Hazel Rosenstrauch ist eine Kennerin von Graden der im 18. und 19. Jahrhundert herrschenden Diskurse", so Tilman Krause in der Welt. Jüdische Emanzipation und die antijüdischen Ressentiments spielten in diesen eine zentrale Rolle.

"Eine Quellenstudie ersten Ranges zum Berlin um 1800 und zu den Konflikten rund um die Emanzipation der Juden." (Conrad Wiedemann)

Textprobe

Eine Figur wie Veit öffnet Raum für neue Fragen. Bei Veit ließ sich - besser als bei exponierteren Personen - erkennen, wie ein Leben zwischen Verheißung von Gleichheit und Bewahren der Besonderheit aussehen konnte. Nach dem Interesse an Königen und Generälen, an Frauen und an Preußen als Kulturstaat finde ich am Ende der Recherchen, dass die Auseinandersetzungen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft gar nicht so anders verliefen als im Rest der Gesellschaft. Die Situation der Juden und Jüdinnen war anders, die Fragen im Umgang mit den Brüchen in dieser "Sattelzeit" waren ähnlich. Die Arbeit hat mein Interesse an den Konflikten, Lösungsversuchen und Irrungen geweckt, denen Juden wie Christen, Hugenotten, religiöse und areligiöse Männer und Frauen in Zeiten radikaler Veränderungen ausgesetzt waren. Zu berücksichtigen ist, dass mit der Modernisierung die Aufhebung vieler zuvor unüberwindbarer Schranken verbunden war, manche wurden unwichtig, neue Unterscheidungen, wie die nach Nation, wurden erst nach 1800 bedeutsam. Die Schimpfworte blieben, das Narrativ für die Ausgrenzung hat sich gewandelt. Die Spezialisierung innerhalb der Geschichtsschreibung hat dazu geführt, dass Juden und Mehrheit meist getrennt behandelt und das Trennende stärker betont wird als die Gemeinsamkeiten. Veit lässt sich in die deutsche Geschichte integrieren, wenn Gegenüberstellungen wie Christen - Juden, Royalisten - Demokraten, Romantiker - Aufklärer usw. in den Hintergrund treten. Dann wird seine Geschichte zu einer Variante im Umgang mit den grundstürzenden Veränderungen bei der Herausbildung einer modernen bürgerlichen Gesellschaft. So gesehen ist die Beschäftigung mit Simon Veit unter der Hand zu einem Plädoyer für die Aufhebung überholter Kategorien geraten.